Der Muezzin der Al Amine Moschee ruft zum Gebet, begleitet vom ewigen Hupkonzert der Autos. Ich sitze in einem Straßencafe auf der belebten "Hamra Street" in Beirut, trinke starken Kaffee und beobachte das hektischen Treiben auf der beliebten Einkaufsstraße. Noch 3 Tage, dann geht es wieder zurück nach Deutschland. In meinen Gedanken lasse ich schon mal die vergangenen Tage Revue passieren.

Am 3. November 2011 früh am Morgen starteten Boris und ich sowie fast 600kg Sprung- und Videoausrüstung mit der Cessna Caravan D-FUNK vom Flugplatz Itzehoe. In Flugfläche 150 über die Alpen zum ersten Zwischenstopp nach Graz. Von dort weiter nach Tirana, Albanien. Noch mal tanken und auf ging es zum Tagesziel auf die Insel Rhodos, die wir am späten Abend erreichten. Vor ein paar Tagen hatte der Taxifahrer noch gestreikt, jetzt brachte er uns mit seinem nagelneuen Benz in Vollausstattung zum Hotel. Am nächsten Morgen, auf dem Weg zum Flugplatz, fielen mir die vielen "unfertigen", aber schon bewohnten Häuser auf; überall schauten noch die Stahlverstrebungen aus den Betonwänden heraus. Aber daran wird sich wohl so schnell nichts ändern, denn Boris erklärte mir, dass die für den Hausbau fälligen Steuern in Griechenland erst dann entrichtet werden müssen, wenn der Bau komplett abgeschlossen ist. Soviel dann zum Thema "Schuldenkrise in Griechenland"! Am Airport angekommen, gab es erst mal eine ordentliche Standpauke von der Airport-Managerin. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz warum wir keinen "handling agent" hätten. Wir wussten von alle dem nichts! Ohne diesen Agenten könne sie uns nicht abrechnen. Ich ahnte schlimmes, aber: "na gut!" fauchte sie nach einer gefühlten halben Stunde, "...dann müsst ihr halt zu Fuß über das Vorfeld zum Flieger und eben ohne zu zahlen weiterfliegen!" Boris und ich hatten wirklich Mühe den Flieger zu erreichen ohne in ein brüllendes Gelächter zu verfallen. Der Tankwagen kam zügig und dann wurde es Ernst - die finale Etappe nach Beirut! Von Rhodos direkt über Zypern hinweg  zeigte sich nach zweieinhalb Stunden die Skyline der Hauptstadt des Libanons. "D-FUNK, cleared to land runway one six!" - hörte ich den Controller noch sagen und dacht mir, eigentlich doch alles ganz easy. Hatte uns der Veranstalter ja auch eine Mail geschickt mit den Worten: "... everything is arranged for you and I'll be all time at Beyrouth airport the day of your arrival!" - aber Pustekuchen, zu früh gefreut!

Der "follow me" brachte uns zur "final parking position", warf uns noch ein paar Chocks vor die Reifen und war weg! "...äh, Moment ...!?!" - hörte ich noch Boris rufen. Also "Beirut-Ground" anfunken und fragen, wie es weiter geht. Jetzt hörte ich sie zum ersten Mal, die Worte, die uns immer wieder auf unserem Trip begleiten sollten und zum "runing gag" des Events wurden: "one minute please!" Nach 20 Minuten kam endlich ein Auto angefahren - es war der Libanesische Luftaufsichtsbeamte, der erst mal sämtliche Lizenzen und Flugzeugdokumente auf das pingeligste filzte und ....anschließend einfach wieder weg fahren wollte. Aber diesmal war Boris schneller und ließ nicht locker, bis uns der CAA-Mann zur Emigration mitnahm. Schlappe 3 Stunden später und - zack - hatten wir den ersehnten Visa-Stempel im Pass! Und, meine eigentlich größte Sorge,  die Fracht wollten sie gar nicht mehr kontrollieren. Jetzt also nur noch schnell die 20 Sichtflugminuten zur Hamat Airbase? Weit gefehlt! Zunächst durften wir nicht weiterfliegen, weil es keinen Flugplan gab - erledigte Boris per Funk! Dann hieß es, ohne Begleitung eines Militärbeobachters dürften wir nicht im Libanon rumfliegen. Nee, nä? Als der Colonel endlich da war ... durften wir immer noch nicht starten ... weil ein Soldat an Bord sei, von dem der Geheimdienst wiederrum nichts wusste! Bitte wie? Ganz langsam zogen dicke, dunkle Wolken über meiner Stirn auf! Aber ich brauchte nichts sagen, der Gesichtsausdruck reichte wohl. Der Colonel fing hektisch an mit seinen 2 Handys zu telefonieren und irgendwann nach dem 5. oder 6. Anruf hieß es: "we will recieve the confirmation in one minute!" Ach was? Eine gute halbe Stunde später durfte ich endlich die Turbine starten!

Die "Hamat Airbase" - ein kleiner Militärplatz nördlich von Beirut auf halber Strecke nach Tripoli beheimatet 4 und 2 halbe Puma-Helikopter, die die Vereinigten Arabischen Emirate dem Land geschenkt hatten. Dort angekommen hat das Springerteam, dass uns schon sehnsüchtig erwartete flugs noch den Flieger entladen und dann ging es in der Dämmerung hoch zur überdachten Stellfläche um die Caravan über Nacht abzustellen. Freundliche Soldaten halfen uns beim verzurren und gaben uns dabei schon mal einen Vorgeschmack auf die "Entdeckung der Langsamkeit"!

Bis auf George! Adrenalin gefällig? George, der Fahrer nahm noch einen ordentlichen Schluck aus der Bierdose und fuhr dann seine 15(!) Passagiere mit dem kleinen, klapperigen Minibus in einem Affenzahn vom Flugplatz aus die Serpentinen zur Küste runter zu unserem "Hotel".  Fallschirmspringen ist dagegen ein echter Kinderteller! Schätzungsweise seit dem Bürgerkrieg gab es im Hotel "Beaulieu sur Mer" keine Gäste mehr. Und so war dann auch der schäbige und dreckige Zustand der Zimmer - zumindest Meins, denn die "Reiseleitung" hatte für sich irgendwie eine "andere" Zimmerkategorie ergattern können. Obendrein war es Nachts lausig kalt, aber ich hatte ja ein Bettlaken als Decke, von dem ich mir allerdings nicht sicher war, ob es nicht auch schon vom letzten Gast vor mir genutzt wurde. Nach einem sehr ernsten Wort mit dem Nachtportier Mohamed wurde am nächsten Tag die Bude wenigstens ordentlich gereinigt, so dass mein Mitbewohner, die Kakerlake keine Lust mehr hatte, unter dem Bett vorkam und das Zimmer unter der Tür durch verließ.  "Ihr bekommt 3 Mahlzeiten am Tag und Getränke dazu!" - hieß es seitens unserer "Reiseleitung" im Vorfeld. Ich war einfach nur hungrig, deshalb biss ich in das gummiartige Sandwich mit undefinierbarem Inhalt. Dazu gab es eine kleine Flasche Wasser.  Anke war meine Rettung, die treue Seele hatte mir schon tagsüber am Platz eine Flasche Bier beiseite gestellt! Das war sie dann, die angekündigte "Vollverpflegung": morgens Maisfladen mit Kräuterpesto oder sowas ähnliches, die spätestens nach drei Tagen weniger den Appetit als mehr den Würgereiz stimulierten und nach meiner Meinung eher auf eine Sondermülldeponie gehörten. Mittags Gummibaguette mit ... ich weiß nicht was und Abends die einzig warme ...  naja ... lauwarme Mahlzeit, die sogar einigermaßen schmeckte, aber grundsätzlich zu wenig war! Ergänzt durch reichlich Eigenversorgung sollte das also das Ambiente für die nächsten 14 Tage sein? Naja, "so what?" - dachte ich. Schließlich war ja mein Hauptziel ordentlich bezahlte Flugstunden für die Funky zu sammeln und dafür kann man das alles auch so in Kauf nehmen. Aber wieder mal täuschte ich mich!

Am 5. November sollte der Sprungbetrieb beginnen. Es ging aber nur ein Staff-Load zu Demo-Zwecken für die Presseleute, danach spielte das Wetter nicht mehr mit. Aber vom 6. bis  zum 14. November hätten wir durchgängig bei besten Wetter springen können. Hätten! 3 Tage, an den wir überhaupt 2-stellige Flugzahlen erreichten . Einmal 11 und zweimal 10 Loads war das höchste der Gefühle; ansonsten 3 bis 5 Loads pro Tag und basta! Das Ganze hatte zwei Ursachen:

"I have managed all for you - you have all the permission to operate at any time of the event" - hatte der Veranstalter noch vollmundig angekündet. Das sahen aber die Libanesische Flugsicherung, das Militär, und insbesondere der überall und ständig rumschnüffelnde Geheimdienst doch deutlich anders! Hatte der "Master Control Room" der Militärs endlich eine StartUp-Clearance erteilt, war der verpflichtend anwesende Militärbeobachter; i.d.R. ein Libanesischer Pilot nicht aufzutreiben. Und war der Sprungbetrieb endlich am Laufen, hatte der  "secret service" kein Problem damit auch alles wieder zu beenden, weil notwendige Passagierlisten nicht in irgendeiner der zahlreichen Dienststellen angekommen waren. Es kam wie es kommen musste, nach einem der zig unnötigen shutdowns der Turbine - "because you have no boarding clearance" -  ist mir die Hutschnur geplatzt und ich habe dem Veranstalter vor versammelter Mannschaft lautstark versprochen, dass noch eine einzige Störung unweigerlich den sofortigen Rückflug der D-FUNK nach sich zieht.

Unsere "Reiseleitung" fand diese Form der Diplomatie zwar nicht wirklich angemessen, "man müsse schließlich das Gesicht des Kunden wahren", aber danach ging's!
Die andere Ursache lag beim Veranstalter selbst. 1000 Tandems sollten gesprungen werden. So unglaublich diese Menge auch schien, sie wurde immer wieder vom Veranstalter beteuert. Noch vor dem Abflug in Deutschland kam Misstrauen über die vermeintliche Sprungwut der Libanesen auf, weil auf der Website des Veranstalters im öffentlich zugänglichen Buchungssystem nur ganz wenige Buchungen eingetragen waren. Auf Rückfrage erklärte der Veranstalter, dass sogar 400 Tandems schon bezahlt seien und es lägen noch Unmengen von Reservierungen vor - in Summe sogar mehr als die besagten 1000. Da geht was! Deshalb rückten ja auch letztlich die insgesamt 28 Tandemmaster, Videoleute und Packer in den Libanon ein. Es dauerte 3 bis 4 Tage Vorort bis auch der "Reiseleitung" endgültig klar wurde, dass hier doch etwas sehr hoch gestapelt wurde. Der Veranstalter redet sich daraufhin raus, es sei ihm ganz plötzlich der "Partner mit den 400 Tandems" abgesprungen. Ein Schelm der hierbei Böses denkt! Wir sollten uns aber trotzdem nicht sorgen, denn der Libanesische Presserummel rund um die Veranstaltung, würde die Kundschaft nur so in Scharen zu uns treiben. Letztendlich wurde es ein Fünftel, sprich 200 Tandems und ein Teil unserer Crew wurde später sogar mangels genügender Arbeit vorzeitig nach Hause geschickt.

Die "Entdeckung der Langsamkeit" - der Tankvorgang! Unter einer dreiviertel Stunde ging da gar nix - eher länger! Ein "Spezial-Team" des Militärs, bestehend aus einem riesigen, amerikanischen Tank-Truck, der mindestens so alt war wie ich selbst und 5 Soldaten setzte sich in Bewegung. Der Tankwagenfahrer, der Leiterschieber, der Schlauchhalter, der Zapfpistolenhalter und der Ableser waren ein "eingespieltes" Team. Meistens fuhr der Tankwagen lautstark und mit einer irrsinnigen Abgaswolke zunächst auf die linke Seite der D-FUNK - man betankte den linken Flügel des Fliegers. Anschließend setzte sich das Monstrum erneut in Bewegung, umrundete nebst Abgaswolke die Caravan und hielt erneut an der rechten Seite - für die Betankung des rechten Flügels. Eines Tages stellte der Leiterschieber die Leiter aus irgendeinem Grund an den rechten Flügel, während der Truck wie gewohnt zur linken Seite fuhr. Ein Konflikt bannte sich an - verwirrte Blicke der Soldaten! Nun hätte man ja einfach ... aber nix da! Der Truck setzte sich also mit seiner Abgasfahne wieder in Bewegung und fuhr erst mal zur rechten Seite mit Leiter, danach das ganze Spiel zurück zur linken Seite. Meine Frage, "...warum man  den Tankwagen nicht einfach quer vor dem Flieger parkt, dann würde der Schlauch zu beiden Seiten des Fliegers reichen?" - wurde ungläubig verworfen.  Das Team sei genauso trainiert worden, könne das so sogar bei stockfinsterer Nacht,  aber würde man am bestehenden Verfahren irgendetwas ändern, würden alle nachfolgenden Tätigkeiten unweigerlich fehlschlagen. Ich hab danach dann besser meinen Mund gehalten, wer weiß, wozu die Jungs noch fähig gewesen wären.

So gingen die Tage und auch unsere gute Laune ins Land. Morgens, naja ... im Laufe des Vormittags wurde unsere Crew wie eine "Drücker-Kolone" mit den beiden Minibusen und deren ewig angetrunkenen Fahrern vom Hotel zum Flugplatz gekarrt und Abends ging es genauso zurück. Dazwischen ein wenig Fallschirmspringen und dazu unzählige Possen vom Veranstalter, den Militärs und natürlich unseren Freunden vom "secret service". Abends meistens dann Hotel-Feten unter Beobachtung des Geheimdienstes, der sogar mit Nachtsichtgeräten in der unmittelbaren Umgebung des Hotels verschiedene Posten bezogen hatte.  Am Mittwoch, den 9. November hat uns der Veranstalter zu einer Fahrt in die Berge mit anschließendem Essen "eingeladen". Was man so eine "Einladung" nennt, denn das Essen hätten wir selber zahlen sollen. Das dies so nicht in Ordnung war, erkannte sogar unsere "Reiseleitung" und bezuschusste das Abendessen, sodass vom Team nur jeder 5,- Euro vom seinem Lohn abgezogen bekam - na tolle Wurst! Der Ausflug wäre Tagsüber sicherlich eine Reise wert gewesen; aber jetzt in stockfinsterer Nacht macht die 2,5 Stunden Fahrt zum Gipfel über Serpentinen-Straßen ohne Randbefestigung und Abgründen von zig 100 Metern eigentlich eher keinen Sinn - es sei denn, der Adrenalin-Haushalt leidet schon wieder an Unterdeckung!

Am 15. November brach dann auch noch das Wetter ein. Heftiger Sturm und Regen machten die letzten Hoffnungen auf "fette Beute" zu nichte!  Also, das Beste draus machen! Die "Reiseleitung" gab uns frei und so organisierte Andrea einen 2-Tage Trip nach Beirut und brachte uns fürstlich in einem 5-Sterne Hotel unter ... und das für schlappe 60 Dollar die Nacht! Gut gemacht Andrea! Auf in die angesoffenen Minibusse und ab durch die Mitte nach Beirut! Dort angekommen erst mal Sightseeing, anschließend eine fürstliche Nacht, eine funktionierende Dusche am Morgen und ein opulentes Frühstück in der Nobelherberge ließen unsere Laune wieder mal steigen. Bis zur Rückfahrt nach Hamat waren es noch einige Stunden, deshalb bin ich noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und saß nun in dem besagten Cafe in der "Hamra Street".  Abends verabschiedeten wir, die "nach Haus Geschickten" ohne zu wissen, dass auch wir keinen einzigen Flug, keinen einzigen Sprung mehr auf der Hamat-Airbase machen würden. Anschließend saßen wir wieder alle Mann in unserem Minibus und wurden von George nebst seinen Bierdosen zu unserer, vom Geheimdienst bewachten Absteige gefahren. Auf dem Weg dahin wurde noch schlappe 4 mal zu Nachschubzwecken für Alkohol angehalten und mit der noch fälligen Besichtigung der "heiligen Mutter" auf einem der höchsten Berge vor den Toren Beiruts haben wir die knapp 60km dann doch in nur 4 Stunden geschafft!

Jetzt platzte die Wurst! Zurück in unserem Hotel kam es am nächsten Morgen zum Eklat. Es war trübe und verregnet, wir trafen uns trotzdem im Foyer des Hotels zum vereinbarten Zeitpunkt für die Fahrt zum Flugplatz. Die "Croatia-Gang" rund um Sascha, Ivan und Erwin hatte eh schon einen mittelschweren Hals. Hatten sie doch auf die Beirut-Tour aus Kostengründen verzichtet. Als kleines Dankeschön hatte sie der Veranstalter schlicht vergessen und ohne Bewegungsmöglichkeiten sowie Essen zwei Tage alleine in unserem bewachten Hotel "Garni" zurück gelassen.  Die Rechnung für den Taxidienst und den Pizzaservice wanderte von Sascha zum Veranstalter. Von dort zu unserer "Reiseleitung" und von da wieder zurück zu Sascha - der war außer sich vor Wut! In diesem Moment trat ein Mitglied der "Reiseleitung" in das Foyer und verkündete recht kurzangebunden die Tagesentscheidung: erstens kaum Wetter und zweitens keinen einziger Tandemgast - "Ihr habt einen Day off" - sagte er und entschwand wieder! Wie bitte? Und Frühstück? Was ist mit Frühstück? Frühstück - also jene besagten Maisfladen - gab es aber nur am Flugplatz! Alle knurrten, einige explodierten! Boris, ein Mensch, den sonst wirklich nichts aus der Ruhe bringen konnte, der mit Sicherheit der Letzte sein würde, der sich beschwert und der selbst in stürmischen Situationen nie seine Diplomatie vergaß, platzte der Kragen endgültig. Es wird ein ewiges Geheimnis bleiben, was er der "Reiseleitung" hinter verschlossener Tür an den Kopf geworfen hat, aber man höre und staune: des Abends trat die gesamte Führungsriege nach dem Essen vor und entschuldigte sich für all das Unbill, dass wir erleiden mussten, räumte großzügig Fehler ein, gelobte Besserung und übernahm am nächsten Morgen sogar die Kosten für unser Frühstück bei der lokalen Bäckerin. Boris, wie hast du das nur hinbekommen?

Die letzten zwei Tage passierte nicht mehr viel. Abhängen im Hotel, meist ohne und wenn, mit Internet-Zugriff, der eine Datenrate von ca. 1 bis 2 Bit pro Minute bot. Nur Joy, die rechte Hand des Veranstalters drängelte auf ihren AFF Level 1 Sprung, der ja schließlich unter der Beobachtung von irgendeinem Minister stattfinden sollte. Doch, die mittlerweile auf null motivierten AFF-Instruktoren und vor allem das Wetter machten einen endgültigen Strich durch Joy's Rechnung. Boris hatte nichts dagegen und drängelte weiter auf einen möglichst frühen Start der D-FUNK in Richtung Deutschland. Am Freitag, den 18. November wurde dann endgültig ein Ei drüber gehauen und wir durften zum Flugplatz fahren um die Caravan für den Rückflug fertig zu machen. Das Team hat noch mal richtig kräftig mit angepackt und pünktlich um 15:00 Uhr lief die Turbine. Der Veranstalter hatte ein letztes Mal alle Register gezogen und uns eine "Sonderfluggenehmigung" vom Hamat Airfield nach Beirut zum Rafic Hariri Intl. Airport erwirkt.

Nach den Plänen dieser Sondergenehmigung sollten wir in Beirut angekommen, eigentlich wieder auf dem Militärbereich des Flughafens parken - um wahrscheinlich eine ähnliche Geschichte zu erleben, wie sie uns auch schon bei der Einreise zu Teil wurde. Aber es kam anders: Boris fragte per Funk nach, dass wir noch Tanken wollen und nebst Ausreiseformalitäten auch noch einen Flugplan nach Griechenland aufgeben müssten. Darauf entschied sich der Ground-Controller um und schickte uns zur .... bitte wie? Zur "General Aviation"! Ach was? Hier gibt es also auch eine GA?  Erst trauten wir dem Braten nicht, wurden auf das ganz andere Ende des Flughafens geschickt und rieben uns die Augen, als wir an einer letzten, schäbigen Hangarhalle abbogen und urplötzlich vor einer Art Palast standen. Dieser Palast gehörte den "Schönen und Reichen". Im 5-Minuten Rhythmus starteten und landeten all ihre Learjets, Gulfstreams und CJ's. Dicke Luxuslimousinen holten oder brachten diese Elite-Menschen ohne eine einzige Zeitverzögerung zu und von den Luxusbombern.  "Hier sind wir richtig!" - sagte Boris. Und wie Recht er doch hatte! Der Handling-Agent zockte uns zwar 330 US$ für Lande- und Handlinggebühren ab, aber dafür dauerte alles folgende mal knapp eine halbe Stunde. Der Flugplan wurde aufgegeben. Ungläubig fragte Boris, ob es denn lange dauere bis er bestätigt sei und wir los können? "Wenn ich einen Flugplan aufgebe, dann ist der in 5 Minuten aktiv!" fauchte der, in seiner Ehre getroffene Agent zurück und schickte eine Angestellte mit uns zur Passkontrolle. Diese gab dem Amtsmann eine kurze, knackige Anweisung. Der nickte kurz und untertänig und drückte, wie befohlen sofort die notwendigen Stempel in unsere Pässe.  Ein anderer Scherge wurde geschickt um im amerikanischen Spezialitätenrestaurant noch schnell ein paar Burger für uns zu holen und dann stand auch schon der Tankwagen vor der Funky.  Exakt 30 Minuten nach unserer Ankunft lief die Turbine wieder an und wir hatten unsere "Clearance" für den Flug nach Rhodos! Ein dickes Dankeschön an die "Schönen und Reichen" - geht doch! Kurz nach dem Start, als wir an "Nicosia-Control", der zyprischen Flugverkehrskontrolle übergeben wurden, gab mir Boris erst mal "high five"! Das Gröbste hatten wir geschafft!

Eine geplante Übernachtung auf Rhodos, der unkomplizierte Weiterflug nach Dubrovnik, eine ungeplante Übernachtung in Nürnberg wegen Nebels in Hamburg und eine weitere ungeplante Nachtparkgebühr in Hamburg, wiederrum wegen Nebels in Itzehoe sorgten letztendlich für eine glückliche Rückkehr mit der, nach alle dem unversehrten D-FUNK am 21. November auf dem "Hungrigen Wolf".

Mike hatte Recht: es bleiben letztendlich nur die positiven Erinnerungen über! Die Funky ist inklusive Ferry knapp 40 Stunden in der Luft gewesen und ich habe den ersten Absetzflug über Libanesischen Territorium seit Menschen gedenken geflogen. Und das alles im November, wo in Deutschland definitiv gar nix geht! Also, eigentlich alles gut, oder?


Achmed Sharma


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