Wer sich erinnern kann, war nicht dabei.

Miller Hockertour 2008

VORWORT

Heute ist der 01.11.08, 18.55 Uhr. Äußere Umstände: Kochgeräusche aus dem Erdgeschoß. Hunger.
Der Reisebericht … Da liegt es nun vor mir, das weiße Blatt Papier, jungfräulich und unbeschrieben.
Und ich denke, verdammt, wo fängt man an, wie schreibt man auf, was wir alles bei der diesjährigen Miller-Hockertour in der Schweiz und in Italien erlebt haben.
Es nützt nix – beim Anfang – ist wohl der beste Plan.

Also letztes Jahr waren wir ja in ... Scheiße, wo waren wir noch ... Ach ja, bei den Korsen waren wir ... cruisen. Ist ja auch egal, jedenfalls wurde dort der Plan für dieses Jahr gefasst.

Es sollte in die Dolomiten gehen. Und damit hatte unser auf Lebenszeit gesetzter Reiseleiter JJ seine Aufgabe bekommen. JJ plant bei unseren Touren die Reiseroute.

Ach ja, das wisst ihr ja nicht:

  • Das Miller-Team ist nur nach außen hin unstrukturiert und chaotisch.
  • Auf unseren Touren wird nichts dem Zufall überlassen, alles wird genau geplant und durchgerechnet. Über Reiseziel, Fahrtdauer und Kosten sind wir immer genau informiert ...
Na ja, nicht alle, zumindest nicht zur selben Zeit. Also, um es genau zu sagen, wissen wir eigentlich nur, in welches Land es geht. Die Einzigen, die man während der ganzen Tour besser nicht aus den Augen lässt, sind der Reiseleiter und der Kassenwart. Wenn die weg sind, hast du den Zonk gezogen und stehst blöd da. Denn deine Kohle hat der Kassenwart und der klebt immer an JJs Hinterreifen. Und der war in diesem Jahr übrigens ich, Inkasso-Yorck.

Die Redaktion:
So, muß kurz was Essen ... bin gleich wieder da.

Ok, kann weiter gehen ...

Vom 26. September bis zum 5. Oktober ging es also ab in den Süden, zur Tour der 1000 Pässe.
Oder zur "Wer sich erinnern kann, war nicht dabei - Miller Hockertour 2008"

Gegrüßt seien hier besonders GM Chrischan und OM Ulf. Die Beiden konnten diesmal leider nicht mitfahren. Ulf und Anette waren zur Tourzeit noch hochaktiv in der Babyproduktion.
!!!!!OM-Mini Miller Luuk Lempfert ist am 30.10.08 gesund und munter eingetroffen!
Alle Millers und YUUs wünschen euch dreien alles Gute und Beste !!!!!
Na und Chrischan musste leider malochen, auch schön.


Die Abfahrt mit dem DB Reisezug "Die Bahn – Unternehmen Zukunft"

Am 26. September, Freitags 17:00 Uhr, trafen wir uns, wie immer bestens gelaunt, zum gemeinsamen Anstehen am Hamburger DB Reisezugzentrum in Altona.

Nach großem "Hallo" und fachgerechtem Schulterklopfen wurden die Hocker nach 1-2 Stunden Wartezeit doch noch auf den Reisezug verladen. Also – Gepäck abladen, Helm auf und rauf auf den Zug. Birne einziehen nicht vergessen.

Apropos vergessen, ich musste mir für die Tour alles neu kaufen. Helm, Handschuhe und so weiter. Die alten Sachen waren irgendwie weg. Mist!

Aber egal, die Hocker standen sicher und wurden vom DB Zukunftspersonal sicher verzurrt und auf den Zug geschnallt. Zumindest nahmen wir das an, denn hingesehen hat keiner mehr.
Letztes Jahr und die Jahre davor standen wir immer dabei, bis auch der letzte Bock festgebändselt war, doch jetzt war uns das irgendwie egal. Man wollte ins Abteil und Essen und Saufen.

Und auch hier zeigt sich wieder die Reisestruktur der Millers, denn es gibt bei uns "Beauftragte". Die Beauftragten für das leibliche Wohl während der Überfahrt waren diesmal:
Master Uwe, verantwortlich für feinste Wurstwaren aus dem ländlichen Brandenburg.
Der Weinkeller und die Verteilerbar wurden von JJ betreut.
An der Käsetheke, wenn auch ohne Frau Antjes holländische Schürze, der Yorck, also ich.
Unser Lutzi zeichnete für Esskultur und Auslaufbier verantwortlich. Also die 5 Bs: Butter, Brot, Besteck, Beller und Bier.

Na, das Abteil war gefunden, und innerhalb von Minuten war der Laden ein Trümmerhaufen. Bikerstiefel, Kutten, Jacken ... Schlüpper, alles flog durcheinander, der Laden stank nach Socken, aber DER TISCH war aufgebaut. Alles wird gut.

Jeder holte seine Gaben raus und es begann wie immer ein herrliches Gelage.
Zwischendurch kam die männliche Ticketknipse vorbei und tat ihren Job, nahm noch die Kaffeebestellung für morgens auf und verschwand in den Gängen des Unternehmens Zukunft. Mit neidischem letzten Blick auf unseren Gaben- und Wurstwarentisch. Grins, ja man kann nicht alles haben.

Noch so'n Ritual bei uns und 'ne feste Größe: nur wer säuft und frisst kann hinterher auch fachgerecht den Leuten im Nachbarabteil auf den Sack gehen. Doch ... ...
Die Nacht verlief diesmal ohne größere Schäden. Keine Anzeigen, auch keine Aufforderung zum frühzeitigen Verlassen des Zuges oder ähnliches. Alles ruhig.

Und zack war es wieder Tach. Die Ticketknipse kam mit dem Kaffee, also Muckefuck-Ersatz, durch die Gänge des Unternehmens Zukunft angestolpert und hatte auch noch Brötchen unter dem verschwitzten Arm, aber sie lächelte.


"Bozen" – du Traum meines verbogenen und gut durchgeschüttelten, auf viel zu kurzer Liege abgelegten Rückens nahte. Alles freute sich.
Man saß lässig träumend die letzten Meter zusammen im Abteil als plötzlich ... "oohhhhh Mist der Bahnhof ... wir sind schon da!" ... Wo war bloß die letzte halbe Stunde geblieben.
Hektisch wurde alles zusammengerafft, in Taschen und Säcke gestopft und aus dem Zug geworfen.
Na, wie immer halt.

Nun standen wir da. In Bozen. Wir trugen Sonnenbrillen, waren schwarz gekleidet und bemüht.
Doch die Hocker waren noch weit. Also – jeder nahm sein Geraffel auf den Ast und schlenderte möglichst lässig – so gut das eben ging mit 40 Kilo Gepäck – an den gaffenden Nachbarabteilinsassen vorbei. Jetzt nur nicht schwächeln, gerade gehen und cool die letzten 600 Meter wie ein Mann ertragen und den Hocker bei der Verladestelle abholen.

Bei der Hockerausgabe wollten wir uns auch mit Axel und seinem Leihhocker treffen.
Und da stand er wie aus dem Ei gepellt. Frisch geduscht und wohl gestimmt. "Oma" Axel Buschmeier samt Harley. Unsere Hocker waren auch heil angekommen und es konnte losgehen.
JJ wie immer vorne weg. Gut zu erkennen an der Landkarte. Axel, dann Lutz, dicht gefolgt von Master Uwe und mir. Das Wetter war hervorragend und die Stimmung prächtig. Nur die Stimme wollte noch nicht so recht. Doch das war egal, wir wollen ja kurven und nicht labern.

Die ersten Pässe und geilen Kurven ließen nicht lange auf sich warten. Es ging bis auf 2200 Meter hoch und gefühlte 15 Pässe später lagen am ersten Tag ca. 180 km unfallfrei hinter uns. Nach meiner ersten abendlichen 80 m-Vollbremsung und sagenhaftem Blick auf die Berge mit malerischen Paraglidern und Drachenfliegern ging der erste Tag in ARRABA zu Ende.
Meine Erkenntnis des Tages: 170 km/h sind in den Bergen zu schnell.
Der Abend wurde dann im Hotel und gutem Essen beendet. Wow! Das geht ja gut los.

Anmerkung der Redaktion:
Heute ist Sonntag, der 02.11.08, 12:30 Uhr. Äußere Umstände: Man hat gefrühstückt und ist bester Dinge. Finni sitzt neben mir an Ulli's Rechner und spielt das Spiel mit der Maus und lacht sich kaputt. Übrigens ist heute das erste WE an dem wir nicht auf den Platz fahren. Herrlich! Freizeit! ...


Der Zweite Tag
Heute sollte es über eine Etappe von 170 Kilometern zu einem berühmten Kriegsschauplatz des ersten Weltkrieges gehen. Auf 2300 Höhenmetern liegt die "Logozai Stellung".
Hier kämpften die Italiener gegen die Österreicher in den Jahren 1914-1918 in einem erbitterten Stellungskrieg. Diesen Kriegsschauplatz wollten wir uns unbedingt anschauen.
Dafür sollten wir laut Informationen unseres Leisereiters unbedingt Wanderstiefel mitnehmen. Hatten wir auch. Denn diese Stellung lag mitten in den Bergen und konnte nur mit alpiner Profiausrüstung bestiegen und erkundschaftet werden.

Bei der Ankunft auf 2300 Meter muss die Luft wohl etwas dünn gewesen sein, denn man stürmte ohne viele Fragen zu stellen die Seilbahn. Die Helme ließen wir noch in der Talstation zurück, dann ging es los. Oben angekommen blickten wir verträumt von der Terrasse auf unsere 1000 Meter tiefer stehenden Hocker, inkl. Satteltaschen und ... genau, der Wanderstiefel.

Trotzdem wollten wir die tief im scheißdunklen Berg versteckten Stellungen und Kriegsschauplätze sehen (besser gesagt ertasten). Jetzt allerdings in Lederjacke, dickem Pullover, Halstuch, Nierengurt und Boots. Beste Vorraussetzungen also sich sauber auf's Maul zu packen.
Dafür hatten wir sicherheitshalber auch keine Beleuchtung mitgenommen. Wenn man von Masters halbtoter MAGlight mal absieht. Und diverse Handys (das viel uns aber erst später ein).

So standen wir – Uwe, Lutz, JJ, Üps und Axel – jetzt am Einstiegsloch hoch über den Dolomiten und guckten in ein tiefes, wirklich sehr dunkles Loch. JJ meinte noch, die Idee da rein zu krabbeln sei bekloppt, während sich Axel schon davonstahl. Wir riefen darauf im Chor "... wer jetzt nicht mit runterklettert, ist ein Lappen und kein richtiger Mann ..." ... und kletterten ohne Oma in den tiefen Schacht. Master Uwe mit der toten MAGlight vorweg.

Jungs, was für'n Spaß, da ging's wirklich ab, denn unsere Stiefel waren sauglatt, man konnte nix sehen und der Schacht war steil und eng.
Nach 20 Minuten im dunklen Rohr schrie JJ wie besessen "umdrehn wir ham den Meet vergessen!!" Nee, das nich', sondern er war der Meinung, wir würden aus den Gängen nicht wieder raus finden. Ok, wir waren mittlerweile 3-4mal im dunklen Abstieg links oder rechts abgebogen und immer weiter ins Nichts gestiegen. So genau wusste das eigentlich niemand mehr, doch das zuzugeben, war natürlich nicht drin.

Also wieder im Chor "... wer jetzt nicht weiterklettert, ist ein Lappen und kein richtiger Mann!"

Wir also weiter ... So ging es etwa 1 Stunde lang abwärts. Aus jedem Loch mit Blick nach draußen, brüllten wir " Axel ist ein Lappen!!" So 50-mal beglückten wir unsere Umgebung mit diesen herrlichen Gesängen. Auch JJ bekam alle 10 Minuten eins drüber.

Und dann hatten wir doch noch die Begegnung der dritten Art mitten im tiefen Berg.
Es wurde hell und heller, dann wurden wir regelrecht geblendet. Jede Falte unserer mittlerweile bis zu 46 Jahre alten Millerkörper wurde weggeblendet. Welch schönes, wenn auch kurzes und vergängliches Gefühl.

Wir hatten den Ausgang gefunden! Konnte das sein? Sind wir tatsächlich die 1000 Meter durch den Berg runtergekrabbelt? Nein, natürlich nicht, denn es kam uns eine kleinwüchsige, italienische, bestens ausgerüstete Bergsteigergruppe im Rentenalter entgegen, die den steilen Schacht lässig hochkletterten.

Jeder dieser rüstigen Rentner mit Bergsteigerstiefeln (ihr erinnert euch) und einem etwa 1000 Watt Scheinwerfer auf dem Profibergsteigerhelm ausgerüstet. Doch nun konnten wir zum ersten Mal sehen, wo wir überhaupt waren und dass das echt toll aussah, wo wir waren ...

Nun, diese wandernde Reisegruppe schaute uns und unsere nicht vorhandene Bergsteigerausrüstung an, als ob gleich der Bus vorfahren würde. Mit ungläubigem Kopfschütteln zeigte man uns einen neuen Schacht. Das war wieder JJ's Moment.
Zwischenzeitlich war er tatsächlich mal umgedreht, kam aber 2 Minuten später wieder hinterher. Es war einfach zu duster ohne des Masters halbtote Lampe.
Nun ja mit schnellen Schritten überholten wir die perfekt beleuchtete Diabetikergruppe und gingen wieder im Dunkeln voran. Kannten wir ja schon. Doch diesmal ging es nicht mehr steil bergab, sondern noch steiler bergauf. JJ fing wieder an zu maulen, das sei doch alles Scheiße hier, doch wir konterten nur mit "SCHNAUZE ALTER".

Nach kurzer steiler Treppe wurde es hell und heller. Wow, wir waren wieder draußen. In der Sonne, auf dem Berg, hoch oben über den Dolomiten. Doch ups ... was war das!?
Wir waren jetzt nicht dort, wo wir eingestiegen waren, sondern etwa 100 Meter tiefer auf einem darunter liegenden Schützengraben. Doch wir konnten unseren Startplatz sehen. Was sollte man tun? Wieder runter in den Berg, den ganzen Weg zurück, vorbei an der fußkranken Reisegruppe? Oder männlich über den Berg klettern, auf losen, leicht schneebedeckten Geröllmassen. Links und rechts 800 m steile, unbefestigte Abhänge. So nach dem Motto, der nächste Schritt könnte der Letzte sein. Na, was haben wir wohl gemacht?

Nach 20 Minuten kaltschweißiger Klettertour waren wir wieder da oben wo es los gegangen war.
Mit stolz geschwellter Brust begrüßten wir Axel - den Lappen - und winkten von der Terrasse den mittlerweile auch aus dem Berg guckenden italienischen Kopfschüttler-Wanderern zu. Mann, war das goil!
Meine Klamotten waren völlig verschwitzt und alle brauchten 'ne Pause. Doch der Master meinte, wer jetzt schwächelt, ist ein Lappen und kein richtiger Mann ... erst müssen wir ganz nach oben auf den Gipfel, da wo das Kreuz parkt. Also wieder rein in die verölten Klamotten und weiter ging's.
30 Minuten und eine Bauchlandung später war das Kreuz fotografiert, umrundet und wir konnten endlich im Terassenrestaurant was zu Futtern bestellen. Was für'n Spaß!
Jetzt nur noch mit der Seilbahn runter, die Helme abholen und weiter brettern. Auf zu neuem Spaß!

JJ also wieder vorne weg und alle hinterher. Mittlerweile hat auch jeder in der Gruppe wieder seinen Rhythmus gefunden, so dass wir zügig vorankamen. 2 Stunden später erreichten wir irgendwo einen kleinen See. Sofort wurde das Restaurant geentert um den Standardspruch abzulassen:
2 x Latte und 3 Capo bitte.
Der Wirt reagierte sofort und so bekommen wir unseren wohlverdienten Kaffee am See nach heldenhafter Wanderung. Aber – "der Tag ist noch jung" – meinte JJ, so dass wir noch den einen oder anderen Kilometer fahren wollten. Außerdem müssen wir uns ja jeden Abend noch eine Bleibe für 5 Leute suchen. Und damit sollte man nicht zu spät beginnen.
Also brettern die Jungs schon mal vor, weil ich mir denk' "die holst du leicht wieder ein".
Pech gehabt oder zu lange gewartet, jedenfalls steht an der nächsten wichtigen Kreuzung von den Jungs keiner. Mist. Also was tun? Ich fuhr einfach mal nach links. Dann nach 10 Kilometern wieder zurück. Dann wieder den Berg hoch und so 1 Stunde später bemerken auch die Jungs, dass ich nich' da bin. Sehr nett, Männer ...

Na egal, JJ erzählt mir per Handy, wie ich fahren soll und das wir uns in Cortina d'Ampezzo treffen.
Er meinte, ich könnte mal ordentlich Gas geben, denn sie wären schon fast da.
Also rauf auf meine Kawa und los geht die wilde Fahrt. Dank meines Kumpels und Schraubers Joey von Joespeed aus Buchholz bin ich mit Ersatzmotor bestens unterwegs.

Mein alter Motor ist bei 200 Sachen auf der Autobahn in der Nähe von Berlin in Rauch aufgegangen. Und das an meinem Geburtstag, aber das wollte ich ja gar nicht erzählen.

Nun denn, mit ordentlich Dampf bin ich dann den Jungs hinterher geschossen.
Schöne Strecke, Kurven ohne Ende und keine Gründe vor mir langsam zu fahren. So fliege ich etwa 1 Stunde durch die Dolomiten bis nach Cortina d'Ampezzo. Im Ort finde ich die Buben in irgendeinem Hotel. Die Herren hülsen schon mal das eine oder andere Bier auf dem Balkon. Der noch nette Herr an der Rezeption nennt mir die Zimmernummer und oben bin ich.
Kurz pischen, waschen, fönen und los geht's zum Essen fassen.

Wir finden auch schnell einen – sagen wir mal – bemühten Wirt. Doch nach der ersten kleinen Speise brechen wir ab und suchen uns was Neues. Aber nicht ohne der Kellnerin auf unsere "Millerfreundliche", diplomatische Art zu sagen, was wir von ihrer Kochkunst halten. Ach, das Leben ist schön. So wandern wir der Nase nach in den Ort hinein und finden dann auch schnell eine Pizzeria. Mmmhhhhh das war gut. Jetzt noch ein lecker Bier und dann den Tag mit einem Grinsen auf dem Gesicht beim Einschlafen beenden. Ein Traum wäre das. Ja ja, ein Traum, der sich aber erst viele Stunden später in einem völlig anderen Gemütszustand erfüllen sollte. Wie sich heraus stellte, war das Millerteam an diesem Abend nicht kaputt zu kriegen.

Aber der Reihe nach ...

Wir also raus aus der Pizzeria unseres Vertrauens und weiter durch die Gassen von Cortina d'Ampezzo. Vorbei an einer Bayrischzell Kneipe auf italienisch, neeeee, allgemeines Kopfschütteln.
Nach so einem ereignisreichen Tag sollte es schon was besseres sein als diese Kneipe.

Also weiter der Nase nach. Es kam aber nix gescheites mehr, außer einer postmodernen Ami-Kneipe und die machte gerade zu oder erst später auf, was weiß ich, jedenfalls gab’s nix für so'n trockenen, norddeutschen Hals to sopen.

Wir also kurz entschlossen ins Bayrischzell, is doch ein feiner Laden, weiß gar nicht, was die anderen immer mit den Bayern haben. Nettes Lokal hier, also rein. Der Laden ist so mittelgroß, mit viel Holz, semirustikal, dunkel eingerichtet. Glaub' ich.
Der Wirt samt Wirtin, beide gut drauf, stehen hinter dem Tresen und harren der Dinge.
Wir setzen uns in die Ecke und trinken erstmal das eine oder andere und die Stimmung wird immer besser, weiß auch nicht warum.

Die Gespräche nehmen so ihren positiven Lauf. Auch ist der Laden merklich voller und lauter geworden. Ich glaube zwischendurch liefen nicht nur Nachrichten im TV, sondern Pornos, aber ich kann mich auch täuschen. Und dann ... DA MACHT DER WIRT DOCH DEN KAPITALFEHLER UND LEGT AC/DC AUF ... Man hätte ihn vielleicht vorher warnen sollen ...
Unaufgefordert und höchst motiviert, stand ich auf einmal auf der Holzbank und flammte in meine Zimmerflack (bluesharp) rein. JJ's Augen leuchteten froh auf und man beschloss "So und nu' geh'n wir mool an Tresen, zum hülsen ..." Noch ein paar harte Songs und JJ rockte auf dem Rücken über'n Tresen. Alle anderen auf den Knien über'n Boden. Geil !!!
Master Uwe war auch nicht wieder zu erkennen (stille Wasser sind tief). Er versuchte auf seine Art einen 5-Way vom Tresen zu linken. Kann auch sein, dass er ihn abbauen wollte. Wer weiß? Er riss wie besessen an der Verkleidung rum ...
Fremde Menschen tanzten wie wild miteinander auf den Tischen und Tresen. Jetzt wurde auch Härteres gesoffen, so sagt man. Die Ersten fotografierten mit ihren Handys die wilden Szenen. Was für ein Fest! Immer wieder wurde live mitgespielt, teilweise mit dem Mülleimer auf dem Kopf zwecks besseren Sounds.
Die Stimmung war großartig, phänomenal, so wie früher bei der Manifestparty auf der Nordseite in Fehrbellin. Das Ganze ging über Stunden. Alle hatten sich lieb und irgendwann hat jemand bei uns den Stecker gezogen. Die Luft war raus. Man waren wir auf einmal müde.

Mit Gegröhle und bester Laune ging's durch den dunklen Ort endlich zum Hotel. Dort sollte eigentlich ab 24:00 Uhr absolute Ruhe herrschen. Wegen der anderen Gästen oder so.
Da müssen wir was missverstanden haben – wie uns am nächsten Morgen die übelstlaunige, sehr einsilbige, böse drein schauende Frau Blücher an der Rezeption mitteilte. Unser nächtliches, erneutes Einchecken sei wohl mit der Lautstärke eines dauerhupenden ICE mit Anfahrschwierigkeiten an der Bergkuppe zu vergleichen gewesen.

Ich antwortete mit leiser Stimme und geschwollenen Augen, dass so was ja mal passieren könne.
Was Sie mit noch finstererer Miene quittierte. Ich kann mich bis heute nicht so genau an unsere nächtliche Ankunft erinnern ... Nur wie jemand versuchte mich am Arm aus einer Menschengruppe heraus aus dem Lift zu zerren. Und das macht ja wohl keinen Krach ...
Beim Verlassen des Hotel-Parkplatzes sah ich noch einen Mülleimer rumstehen, der mir irgendwie bekannt vorkam. Wie war das noch? Irgendwas mit Musik ... ich krieg's nicht mehr zusammen ...


Dritter Tag.

Ich fühle mich so, wie der Master und Rest der Truppe aussieht und fährt. Einfach schlecht.
Man eiert mit zittriger Lenkbewegung irgendwie dem Reiseleiter hinterher. Jetzt bloß nicht schwächeln.

Ahhh.. JJ hat Mitleid. Pause am Berg, in der Sonne sitzend. Guter Mann. Ich bestell wie immer 2 x Latte & 3 x Capo. Ach nee, nur 2 Capo. Master Uwe hat die letzte Steigung (Treppe zur Bergbar) nicht mehr geschafft. Er liegt hinterm Hocker und macht Atemübungen. Die letzte Nacht muss hart gewesen sein - wie man hört.

Und heute Nacht wird es nicht einfacher, denn Lutz hat morgen Geburtstag.
Deshalb fahren wir heute auch nur noch 160 Kilometer bis nach Toradicio. JJ hat wieder eine schöne Strecke ausgesucht, kurvig und steil. Über tolle Pässe und durch wilde Natur.
Ich fahre nur noch hinterher und genieße die Fahrt mit den Jungs. Das ist das schöne am Hockern mit den Buben. Rauf auf den Bock, Schnauze halten, sinnlos Sprit vergurken, die Gedanken fliegen lassen, hier und da Markierungen liegen lassen und immer wieder zwischendurch herrlich speisen, weiterfahren und irgendwann/irgendwo absatteln, im Hotel einchecken, hülsen, stuhlen, glücklich einpennen und wieder los. Männerurlaub ...

Wir sind in Toradicio. Und der Master hat auch wieder Farbe im Gesicht. Kurz im 4-Sterne Hotel eingecheckt und los geht's in die Altstadt. Souvenirs kaufen, solange man noch Kohle dafür hat, denn fast keiner von uns bekommt mit seiner EC-Karte "Geld aus Wand". Man pumpt sich also gegenseitig an.

Also, alle die diesen kleinen Bericht lesen: Nehmt Kreditkarten mit in die Dolomiten, besser is' das!

Auf jeden Fall wird im Hotel schön gegessen und später an der Hotelbar auf Lutzi ordentlich angestoßen. Von Miller "Herzlichen Glückwunsch Lutzi, auf das du nie wieder deinen Auspuff verlierst ... Weiter so, alter Sack!" Die Party zum Geburtstag soll morgen am Gardasee stattfinden.


Vierter Tag.

Hab' geschlafen wie ein Stein, erstmal frühstücken. Hoffentlich ist hier der Kaffe besser als im letzten Hotel. Anscheinend gibt es hier zwischen den Hotels einen Wettkampf. Wer brüht den schlechtesten. Aber egal. Brötchen rein – Plörre runter, bezahlen und los. Auf zum Gardasee.

Wir verlassen die Dolomiten und wollen über den Gardasee in die Schweiz fahren. Mal sehen was geht. JJ brettert vorweg und wir so verträumte 100 Kilometer hinterher. Es wird langsam Nachmittag und wir haben noch ein paar Kilometer bis zum Gardasee. Also los.

Es wird wieder wärmer je tiefer wir fahren und dann liegt er vor uns. Der Gardasee. Cooler Teich.
Es bläst ganz ordentlich, die Surfer haben ihren Spaß. JJ und ich versuchen in Riva ein Hotel klar zu machen.

An einer verwaisten Rezeption treffen wir 2 Kletterer, die uns von ausgebuchten Hotels in Riva erzählen. Da sich auch nach längerem Warten kein Angestellter zeigt, beschließen wir weiter Richtung Süden zu fahren ... Immer am See lang.
Eine Tunneltour beginnt. Ein Tunnel endet und unmittelbar danach beginnt der Nächste.
Bis plötzlich die Straße gesperrt ist. Bauarbeiter haben einen Betonmischer so auf die Straße gestellt, dass ein Helikopter im Wechsel leere Betontonnen ausklinken und volle einklinken kann.
Das ganze genau einen Zentimeter direkt vor der Bergwand und den Gardasee im Rücken und das bei dem Wind. Ziemlich cooler Pilot. Und Miller in der ersten Reihe.

Weiter geht's, denn wir suchen ja eigentlich immer noch ein Hotel. Langsam wird es Zeit.
In Salo werden wir schließlich fündig. Die Hocker werden exklusiv in einem Weinkeller geparkt. Miller eben. Das Hotel ist ganz in der Nähe vom Gardasee, so dass wir schön Lutzis Geburtstag feiern können. Toller Blick auf den See und der Rotwein schmeckt auch wieder.
Und wenn wir morgen noch einen funktionierenden EC-Automaten finden, ist alles nicht mehr auszuhalten gut.


Wieder ein Tag. Irgendeiner.
Komm mir langsam vor wie in dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier"

Jeder Tag ist irgendwie gleich. Morgens fühlt man sich Scheiße, dann erstmal den Hotelkaffee überleben, Hotel bezahlen, aufrödeln, losbrettern, die "wo bin ich" Frage stellen und bloß JJ nicht verlieren. Dann die Erkenntnis, "Mist, hätte doch vor der Abfahrt pissen sollen." Jungs wieder einholen, Kaffeepause, 2 x Latte & 3 x Capo. Ganz wach sein.

JJ führt uns jetzt über kleinste Straßen in die Berge. Auf einer einsamen Bergstraße treffen wir eine große Gruppe Jäger. Alle beobachteten sehr konzentriert die Bewegungen im Berg. Keine Ahnung was die jagen, Hauptsache keine Touristen.
Auf 1915 Metern taucht dann plötzlich eine Steinhütte auf. Ahhh, Pause und endlich wieder 2 x Latte & 3 x Capo. Schön warm hier drin. Auch hier ist 'ne Truppe Jäger zu Gange.
Der Wirt empfiehlt eine runde Käse-Schinkenplatte. Genau, "Zack!" und "her damit" würde Chrischan jetzt sagen. Und so war's dann auch. Siehe Foto.

Nach dem wir satt und rund das Berglokal verlassen hatten, ging's wieder weiter auf unseren Eisenschweinen. Durch eine irgendwie unwirkliche Gegend, immer runter. Nach einer ganzen Weile trafen wir eine ziemlich große Herde Kühe und Schafe mit ihren Treibern oder umgekehrt. Sah ziemlich lustig aus. Jedenfalls war die Straße ab jetzt mit Vorsicht zu genießen. Denn die Straße war glatt und braun. Kuhbraun sozusagen, und wer zu dicht auffuhr konnte auch gleich am Gaumen spüren, was Berta der Milchkuh vor 30 Minuten warm aus dem Arsch gefallen war.
Etwa 20 Kilometer hieß es Abstand halten und den Tellerminen ausweichen.

Nach konzentrierter Scheißfahrt kamen wir in Poschiavo an. Aus mir unerklärlichen Gründen wurde direkt vor der Kirche angehalten. Vielleicht, weil neben der Kirche die Konditorei war, ja ja, so könnte es gewesen sein. Unsere Pause reichte noch für einen kleinen Plausch mit anderen Fahrern, die wir auch schon oben bei den Kühen getroffen hatten. Nach ca. einer Stunde fiel uns dann nix mehr ein und wir verabschiedeten uns von den Jungs. Außerdem hatte die kleine Konditorei auch keine Überraschungen mehr zu bieten.

Nur noch ein paar Kilometer und wir waren in der Schweiz. Genau bei Grenzübertritt hatte ich die 1000 Kilometer dieser Tour hinter mich gebracht.
Ab jetzt wurde noch mehr auf die Geschwindigkeit geachtet. Denn die Schweizer Gendarmen spielen nicht nur im Sommer das beliebte Spiel "Jage den Touristen und lege ihm seine Karre an die Kette, sollte er zu schnell fahren." Also lieber Leser, rolle lieber langsam in der Schweiz, billiger is' das.

Im Hotel Jacob in einem Ort ohne Namen übernachteten wir.
Abends gab's noch herrlich Rehrücken und Entenbrust. Und frisch gezapftes Bier. Herrlich, nun wissen wir auch was die Jäger in den Bergen gesucht hatten.


Noch ein Tag, irgendwo!
An diesem Tag soll's in die Welt der reichen und schönen Langeweiler gehen. Auf nach St. Moritz. In's Tal der Pelzjacken und goldenen Handys.
Nach wilder Fahrt kommen wir in St. Moritz an und stellen fest, nix los bei Günther S.
Kein Wunder, denn wir kreisen in Bad St. Moritz rum. Hässliche Bettenburg. Also weiter nach Dorf St. Moritz. Und hier ... auch nix los.
Aber – man kann sich hier tatsächlich seine Handys für 15000 Euro aufladen lassen. Toll.
Na ja, was soll's . Mit scheuem Blick kurz mal die Portokasse überflogen und Ebbe in der Kasse entdeckt. Also wer hat noch Kohle ? JJ hat noch und rettet die Kaffeepause.
Und dann nix wie weg hier. Das Wetter wird schlechter, bisher hatten wir Glück damit.
Nun soll es noch mal auf 2700 Meter hoch gehen. Da wäre eine trockene Straße schon nicht schlecht.

Über viele hohe Pässe und in ziemlicher Kälte geht es immer höher. Man riecht schon den Schnee. Die Fresse friert, die Beine klappern, dafür liegen die Haare aber schön.
Pause auf 2000 Meter. Mann, is mir kalt. Allgemeines im Kreis stehen und mit den Stiefeln stampfen ist angesagt. Der Souvenirshop hat doch tatsächlich nur Souvenirs. Mist. Nix Warmes.
Jetzt nur nicht schwächeln, denn hinter uns parkt 'ne dreier Rentner-Gruppe aus Ratzeburg.
Die sind mit so überdachten 50 PS Velosolex Rollern oder so unterwegs. Eisenhart die alten Herren. Voll im Rentenalter, aber gut drauf.
Andere würden in diesem Alter alle halbe Stunde ihre Wärmedecke zuhause neu aufladen lassen, doch unsere drei neuen Freunde geben mächtig Gas. Hoffe nur die Drei sind mit ihren Rollern nicht direkt aus Schleswig-Holstein angereist. Da würde ich mir im Reisezug etwas komisch vorkommen.

Die Drei fahren wieder los und auch uns wird nicht wärmer, also weiter im Takt. Auf 2700 Meter treffen unsere Freunde dann kurz nach uns ein. Der Nebel zieht die Berge hoch. Der Schnee kommt.
Ein zwei schnelle Fotos und nix wie weiter runter.

Ein paar Kilometer weiter und etwa 700 Meter tiefer kommen wir an so einem Burg-Berg-Schloß-Dingsbums-Hotel vorbei. Sieht nett aus und nach kurzer Überlegung checken wir ein.
Der Turm kostet so wenig wie auf der ganzen Tour noch kein Hotel vorher und das Essen ist inklusive und 'ne Sauna gibt's noch oben drauf. Das muss das Paradies sein. Am nächsten Morgen sollten wir erfahren, warum unser Paradies so günstig war.
Erstmal stürmten 4 von 5 nach kurzem Zögern die Saunalandschaft. Nur Lutzi machte auf Mädchen und war scheu. Abends wurde vom Feinsten gespiesen. Wir hatten so viel Silberbesteck auf dem Tisch, dass man schon überlegte, wie viel Jahre Knast der freundliche Schweizer Richter bei Silberraub wohl verhängen würde. Ein toller Tag endet diesmal auf 2000 Meter Höhe. Was will man mehr.

Weiterfahren würden wir morgen schon gerne und diese Nebelschwaden am späten Nachmittag lassen uns fiese, miese Gedanken hegen. So was wie, einschneien, vereiste Straße am Berg, voll auf die Fresse fall und so. Motor nicht anspringen woll', Vergaser vereist sei. Solche Gedanken halt.

Deshalb stellen wir, so lange wir noch können, die Fachfrage an den Bergwirt "Sach mal Moister, wann kommt denn morgen nu' der Schnee?" Er meinte nur, "Naja wenn ihr bis um 8:00 Uhr weg seid, geht das alles klar, wenn ihr den Berg runterfahren wollt. Bergauf geht morgen nix mehr.
Ach ja und ab morgen ist dieses Haus übrigens geschlossen. Es ist Winterpause."
Betretenes Schweigen bei den Nordlichtern machte sich breit, na ob das mal gut geht morgen.
Ach egal das klappt schon, und überhaupt ... woher will der denn wissen, wann das morgen schneit.
So genau kann das ja wohl niemand vorher sagen ...

Der nächste Morgen sah dann ganz genau so aus, wie der Trapper das gesagt hatte. Ich saß um 8:00 Uhr lässig beim Frühstücken als die ersten Schneeflocken fielen. Die anderen waren schon auf den Zimmern und warfen ihre Klamotten in die Seesäcke, nur der kleine Yps nicht. Der schaute aus dem Fenster und sah die Flocken fallen. Flocken ... schön ..., überleg ... FLOCKEN! ... SCHEISSE !! SCHNEEFLOCKEN ...
Mit Riesenschritten die Treppe hoch. Man erkannte sofort, wer im Haus Biker war und wer nicht. Panik machte sich breit. Bloß weg hier. Muss noch bezahlen, Mist. Muss noch aufrödeln, Mist. Hoffentlich springt der Bock hier oben in der dünnen Luft überhaupt an. Mist.

Master Uwe und die Jungs sind fast fertig. Auf meiner Karre liegen ungefähr 10 cm Schnee.
Der Schneeräumdienst mahnt uns zur Eile. JA JA JA, Alter was glaubst du, was ich hier mache, Camping, oder wie!?
Sachen sind festgezurrt, der Hocker läuft, läuft nicht, läuft, läuft nicht und aus. Springt aber wieder an, das Schneetreiben beginnt. Mist, ich muss hier weg. Motor an und wieder aus... Mist!
Also egal, muss ich die Karre halt die ersten 200 Meter die Straße hoch schieben, bevor es hoffentlich bis ins Tal nur noch bergab geht.
250 Kilo Kawa, was ist das schon auf schneebedeckter, ungestreuter Landstraße mit arschglatten 100 Jahre alten Lederboots. Aber der Master wartet und schiebt mit. Danke an dieser Stelle noch mal. Mir ist noch schlecht vor Anstrengung.

Jetzt nur noch rauf auf den Bock und Motor im zweiten Gang am Hang kommen lassen.
Aber nix da. Das Bock ist so dermaßen abgesoffen und/oder eingefroren, dass er diverse Kilometer später erst wieder läuft. Nach ziemlich genau 20 Kilometer lief der Motor dann wieder normal.
Puh, das war knapp.

Ach ja, das Hotel war deshalb so billig, weil da keiner mehr wohnen wollte, denn es gab dort kurze Zeit vorher einen Riesen-Skandal wegen Lebensmittelvergiftungen.
War 'ne ganz große Geschichte. Alle umliegenden Krankenhäuser waren mit Gästen von diesem Burg-Berg-Schloß-Dingsbums-Hotel belegt. Aber uns hat's geschmeckt.

Im Regen ging's dann über Meran und Schladen bis nach Bozen. In Bozen wollten wir übernachten.
Axel führte uns zu dem Hotel, in dem er die erste Nacht auf uns gewartet hatte.

Am nächsten Tag versuchten wir für Axel eine Abkürzung zum Brenner zu finden und stürmten unseren letzten großen Pass. Wieder auf 2000 Meter angekommen, ging es auf dem "Zenco Joch" nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiter. Die ersten Motorradfahrer kamen uns abwinkend entgegen und meinten der Pass sei unpassierbar.

Egal, Master Uwe und ich wollten das nun aber genau wissen. Also hoch da.
Als meine Karre dann in einer völlig vereisten leichten Rechtskurve in Zeitlupe den Abgang machte, dachte ich nur "... Wie schön, dass ich alles doppelt habe. Seitenverkleidung und so ..." Master Uwe machte das Beweisfoto und mit vereinten Kräften stellten wir die Kawa wieder hin, nix kaputt, alles war OK.

Das mit dem Pass ging also wirklich nicht. Man beschloss noch 80 Kilometer gemeinsam zu fahren und dann Axel an irgendeiner Biegung den Laufpass zu geben.

Und so war es dann auch. Wie in den Jahren davor und wie in den kommenden Jahren.
"Axel – so leb denn wohl und tu uns mal 'ne Karte schicken, wir heben uns jetzt erstmal ein paar Meethumpen rein und humpeln in die Bundesbahn rein."
Wir winken schön und uns Axel verschwindet am Horizont auf dem Weg zum Brenner. Später erfuhren wir, dass er noch in fettes Schneetreiben geriet. Der Arme.

Da saßen wir aber schon in Bozen, in unserem warmen Reiseabteil, bereit zur Rückfahrt nach Hamburg. Draußen auf dem Bahnsteig wurde dann wie immer in guter alter Tradition der Scheidebecher auf diese herrliche Dolomiten-Tour gehoben.

Lieber JJ, das hast du wieder fein geplant. Vielen Dank für diese schöne Tour!!
Und im nächsten Jahr geht es mit der Millerbande zur Isle of man, Irland, Schottland und was weiß ich wohin. JJ und Chrischan werden es schon machen.

Und hier endet dann auch mein kleiner Reisebericht. Alles stimmt und ist wirklich wahr. Das könnt ihr mir glauben. Ob immer in der Reihenfolge – da bin ich mir nicht so ganz 100% sicher.

Wer unsere kleine Tour auch mal fahren möchte, der fährt am besten hier lang (Aber sagt nicht, dass ihr uns kennt. Besser so):
Mit dem Reisezug oder auch nicht bis Bozen - Selleronda - Arabba - Pass Seller Joch - Pass Fallzureba - Lagazuci - Lago di Pragzerwesee - Cortina d'Ampezzo - Tornaditcio - Lavis - Riva - Salo - Barnea - Lago de Itro - Poschivao - St.Moritz - Davos - Ofen Pass - Stiller Joch Franzosenhöhe - Meran - Schladen und Bozen.
Die Gesamtstrecke, laut meinem Tacho, beläuft sich auf 1550 Kilometer.

Also bis zum nächsten Mal. Und denkt dran "Wer sich erinnern kann, war nicht dabei"

Gruß
GM Yorck


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